
Novartis spaltet Atrium Therapeutics aus Avidity-Übernahme ab
Die zweitgrößte Firmenübernahme des vergangenen Jahres wird für Novartis noch ein wenig teurer. Nach der Übernahme der kalifornischen Avidity für 12 Mrd. US-Dollar haben die Schweizer nun einen bestimmten Bereich aus dem Unternehmen herausgeschält und mit einer Finanzspritze von 270 Mio. US-Dollar versehen auf eine eigenständige Reise geschickt. Das Spin-out Atrium Therapeutics nimmt neben dem Geld auch präklinische Projekte im Bereich von RNA-Therapien bei Herzkrankheiten mit.
Das US-Biotech-Unternehmen Atrium Therapeutics startet als eigenständige, börsennotierte Gesellschaft mit rund 270 Mio. US-Dollar in der Kasse. Das wie die ehemalige Muttergesellschaft in San Diego ansässige Unternehmen will neuartige RNA-Therapien gezielt ins Herzgewebe bringen, um seltene, lebensbedrohliche genetische Kardiomyopathien ursächlich zu behandeln.
Atrium entstand im Zuge der Übernahme von Avidity Biosciences durch den Schweizer Pharmakonzern Novartis AG. An der Spitze steht CEO Kathleen Gallagher. Zum Start verfügt das Unternehmen neben liquiden Mitteln über zweipräklinische Entwicklungsprogramme sowie zwei weitere, noch nicht öffentlich benannte Forschungsprojekte. Diese Firmenübernahme war kein einfacher Prozess und stand mehrmals vor dem Scheitern, wobei der Übernahmepreis immer weiter nach oben geschraubt wurde.
siRNA gegen Herzkrankheiten
Im Fokus stehen die Wirkstoffkandidaten ATR 1072 zur Behandlung des PRKAG2-Syndroms sowie ATR 1086 für die PLN-Kardiomyopathie. Beide Erkrankungen sind seltene, autosomal-dominant vererbte Herzmuskelerkrankungen mit fortschreitendem Verlauf. Zugelassene Therapien, die direkt an der genetischen Ursache ansetzen, gibt es bislang nicht.
ATR 1072 befindet sich in vorbereitenden Studien für einen Antrag auf Zulassung klinischer Prüfungen (IND). Eine Einreichung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Für ATR 1086 sollen 2026 die notwendigen präklinischen Voraussetzungen geschaffen werden, eine IND-Einreichung wird für 2027 angestrebt. Bei positiven Phase I-Daten will Atrium beide Programme zügig in die klinische Entwicklung überführen.
Technologisch setzt das Unternehmen auf eine von Avidity entwickelte Plattform zur gezielten RNA-Verabreichung. Diese kombiniert die Gewebespezifität von Antikörpern mit der Präzision von Oligonukleotiden und soll kleine interferierende RNA (siRNA) nicht-viral direkt in Herzmuskelzellen transportieren. Damit zielt Atrium auf eine neue Generation präziser Herztherapien, die krankheitsauslösende genetische Mechanismen direkt adressieren.
Im aktuellen Hintergrund wird das vielgestaltige Feld der RNA-Ansätze vertieft.

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Basel Area Business & Innovation; Jean Jaques Schaffner